Bericht

Der Unheilige im gelobten Land

Reverend Beat-Man spielt lauten Blues-Trash und parodiert religiöse Eiferer. Damit findet er in der israelischen Untergrundszene Anklang.

Gisela Feuz - 2017-12-21
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Der Unheilige im gelobten Land - Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks
Reverend Beat-Man in Israel @Chico Artworks

„Es war fantastisch!“ Er ist voll des Lobes, der Berner Musiker Beat Zeller alias Reverend Beat-Man, wenn er über seine einwöchige Konzerttournee spricht, welche er gerade eben in Israel absolviert hat. Ein Bekannter aus Deutschland habe ihn dazu animiert, diese Konzertreise anzugehen, erzählt Beat-Man, und weil er exotische Destinationen möge, sei er sofort darauf eingestiegen.

Als der 50-Jährige im Vorfeld in den sozialen Medien seine Reise ankündigt hatte, hagelte es böse Kommentare. Israel sei ein Land, welches man aufgrund der politischen Lage nicht besuchen dürfe, so der Tenor der kritischen Stimmen. Doch Beat-Man lässt diesen Aspekt nicht gelten: „Mir geht es um Menschen, nicht um Politik. Kunst ist grenzübergreifend und ich will mit meiner Musik so viele Leute wie möglich vernetzen und inspirieren“, sagt er mit Überzeugung.

 

Untergrund-Ikone

Beat-Man ist seit rund 30 Jahren im Musikgeschäft tätig und kann getrost als Ikone des musikalischen Untergrundes bezeichnet werden. Er verfügt weltweit über eine grosse Fan-Community, und so tauchten denn auch im fernen Israel Leute an seinen Konzerten auf, welche Beat-Mans Platten seit Jahren kennen und sich sehr über den Besuch des Reverends freuten. In sieben Tagen absolvierte der umtriebige Berner fünf Konzerte, und einen Fernsehauftritt bei einem kleinen alternativen Sender. Musiziert wurde in Bars und Clubs in Tel Aviv, Beer’Scheva und Haifa, in einem Kunst- und Kulturzentrum in Jerusalem und einem privaten Bandraum wiederum in Tel Aviv. Er habe vor der Reise nicht gewusst, ob in Israel überhaupt Interesse an seiner Art von Musik bestehen würde, sagt Beat-Man, und es sei toll gewesen zu sehen, dass es tatsächlich eine feine aber kleine alternative Musik-Szene gebe.

Auf der Bühne fabriziert Beat-Man als One-Man-Band mit Gitarre und Schlagzeug eine sehr rohe und laute Variante des Blues – er selber nennt es Blues-Trash – wobei er bewusst die Ästhetik des Unperfekten zelebriert, um einen Gegenpol zur glattpolierten Mainstream-Musik zu schaffen. In seinen Texten mimt er den blasphemischen Rebellen, wozu er weissen Priesterkragen trägt und in Songs wie «Jesus Christ Twist» religiöse Eiferer aufs Korn nimmt. Aus einem «Hallelujah» kann da auch mal ein «Halle-motherfucking-lujah» werden. Oder Schlimmeres. Beat-Man bedient sich bewusst religiöser Symbolik und Bildsprache, gibt auch mal vor, den Teufel durch sich sprechen zu lassen, parodiert und führt ad absurdum.

 

Die Parodie funktioniert

Während im Vorfeld Unsicherheiten bestanden, wie denn Beat-Mans Show in einem Land wie Israel und insbesondere in einer Stadt wie Jerusalem ankommen würde, zeigte sich vor Ort: Die Parodie des Reverends funktioniert bestens. Die Leute (im Schnitt etwa 100 pro Konzert) lachten, feierten, tanzten ausgelassen und wollten alle nach dem Konzert noch ein Wort mit dem Schweizer Musikanten wechseln.

Auf die Gagen für seine Konzerte angesprochen lacht Beat-Man schallend. Er könne froh sein, wenn er dank der Unterstützung von Stiftungen keine rote Zahl unter die Schlussabrechung für diese Reise setzen müsse. Flüge, Unterkunft und Mietauto habe er alles selber bezahlt. Aber ihm gehe es auch nicht ums Geld, sagt Beat-Man. Und als ihm der Veranstalter des Kulturzentrums HaMiffal in Jerusalem erzählt, dass ein Konzertbesucher dermassen von Beat-Mans Show inspiriert gewesen sei, dass er den ganzen nächsten Tag im Bandraum beim Musizieren verbracht habe, strahlt Beat-Man und sagt: „ Siehts du?! Darum geht es doch!“

Fotos bei Chico Artworks www.chicoartworks.com

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