Dossier

Eine Einführung in die Schweizer Filmmusik

Panorama

Kein musikalisches Genre?

Mathias Spohr - 2019-12-11
Eine Einführung in die Schweizer Filmmusik - Filmmusikpartitur von Jonas Zellweger ©Mathias Spohr
Filmmusikpartitur von Jonas Zellweger ©Mathias Spohr

Filmmusik ist stilistisch so vielfältig wie Musik überhaupt. Vom Popsong bis zur avantgardistischen Kammermusik ist jede Art Musik schon erfolgreich als Filmmusik verwendet worden. Insofern ist Filmmusik kein Musikgenre, sondern eher eine Verwendung von Musik. Natürlich gibt es recht typische Filmmusik: Orchestermusik, die nach «Programmsinfonie» klingt, die also eine Handlung zu schildern scheint, oder elektronische Musik, die Stimmungen vermittelt und statt als Filmmusik vielleicht noch zur Meditation oder als Lounge- oder Ambient-Musik dienen könnte. Und es gibt die Musik bekannter Filme, die ganz unabhängig von diesen Filmen gehört wird. 

Durch die Digitalisierung sind die Produktion und das Konsumieren audiovisueller Medien sehr viel einfacher geworden. Bilder sind mit Hilfe von Laptops und Smartphones allverfügbar, und Social-Media-Videos werden häufig ohne Ton betrachtet. Hundert Menschen im selben Raum können sich hundert verschiedene Bilder oder Filme ansehen, ohne sich gegenseitig zu stören. Für den Ton dazu brauchen sie aber einerseits ein stärkeres Interesse und andererseits entweder Kopfhörer oder Gleichgesinnte, die dasselbe laut hören wollen. Die Sprache im Ton lässt sich auch als Schrift vermitteln, die Musik in aller Regel nicht, zumal die schriftlich fixierte Musik durch neue Produktionsweisen zunehmend zurückgedrängt worden ist. Musik definiert Privatheit oder Gemeinsamkeit also viel schärfer als das Bild, sie inszeniert sich stärker als das Trennende oder Verbindende. Dies macht die Kombination von Musik und Bild vielleicht besonders spannend.

Entsprechend vielfältiger sind solche Kombinationen in den letzten Jahren geworden. Die Film- und Medienmusik bietet ein kaum überschaubares Feld. Kino und Fernsehen verlieren weiterhin an Bedeutung, obwohl sie nach wie vor die renommiertesten Aufführungsrahmen für originale Filmmusik sind. Das vorliegende Dossier kann diese Spanne nicht abdecken. Es kann nur einzelne Aspekte herausgreifen und dabei auf die musikalische Kreativität in der vielfältigen Schweizer Medienlandschaft aufmerksam machen.

 

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