Bericht

Klangvolle Mittellagen

Neue Klänge durch neue Instrumente? Das war nur eine der Fragen, die sich das Festival für neue Musik Ultraschall Berlin 2018 im Januar stellte.

Beate Stender - 2018-02-06
Klangvolle Mittellagen - Ensemble Nikel am 20. Januar 2018 im Berliner Radialsystem V © rbb Gundula Krause
Ensemble Nikel am 20. Januar 2018 im Berliner Radialsystem V © rbb Gundula Krause
Klangvolle Mittellagen - Elise Jacoberger beim Ultraschall Festival © rbb Gundula Krause
Elise Jacoberger beim Ultraschall Festival © rbb Gundula Krause
Klangvolle Mittellagen - Ensemble Nikel am 20. Januar 2018 im Radialsystem V © rbb Gundula Krause
Ensemble Nikel am 20. Januar 2018 im Radialsystem V © rbb Gundula Krause

Zum bereits 20. Mal fand vom 17. bis 21. Januar 2018 Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik statt, das jährlich gemeinsam von kulturradio vom rbb und Deutschlandfunk Kultur ausgerichtet wird. In dem Vorhaben, Entwicklungen in der zeitgenössischen Musik nachzugehen, stellte man bei dieser Ausgabe auch Instrumente in den Mittelpunkt, die in der neuen Musik bislang noch keinen festen Platz haben.

 

Neue Werke für neue Instrumente

Es dröhnt, schnauft, krächzt und schnalzt im Studiosaal der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Martin Bliggenstorfer und Elise Jacoberger haben als das Berner Duo LuKo auf der Bühne Platz genommen und präsentieren gleich sieben Uraufführungen. Kompositionsstudierende haben sie für Lupophon und Kontraforte geschrieben, zwei relativ junge Bass- bzw. Baritonvarianten von Oboe und Fagott. Ihr breites Klangspektrum und ihr enormer Tonumfang beeindrucken an diesem Nachmittag: Das Lupophon mit seinem kugeligen Schalltrichter hört sich mal an wie eine Oboe, mal wie eine Klarinette und schliesslich wie ein Saxophon. Dazu dröhnt das Kontraforte in körperlich spürbaren Bässen, als sei hier ein Presslufthammer am Werk. Spätestens als Martin Bliggenstorfer in Dustin Zorns Komposition Gegenwolf ein markerschütterndes und ziemlich echtes Wolfsgeheul ausstösst, wird klar: Mit dieser Vielfalt an klanglichen Möglichkeiten wird man in der zeitgenössischen Musik von Lupophon und Kontraforte noch häufiger als bisher hören.

Hörproben: Duo LuKo

 

Gassenhauer-Archäologie

Das breite Spektrum der instrumentalen Mittellage stand im Fokus des Konzerts mit dem Trio Catch. In ihrem eigens für das Festival entstandenen Werk Sounds-Archaeologies beschäftigt sich Isabel Mundry mit dem warmen, „rohen“ Klang des Bassetthorns in Kombination mit der schärfer klingenden Klarinette. Eine fragmentarische, rätselhafte Musik, in der Töne immer wieder angeschlagen werden und im Raum verhallen, geprägt von einem ständigen Wechsel zwischen Klarinette und Bassetthorn, den die Klarinettistin Boglárka Pecze souverän vollführt.

Hörprobe zu "In Serie 11" von Barblina Meierhans

Auch die Zürcher Komponistin Barblina Meierhans konzentrierte sich in ihrer Komposition In Serie 11 auf das Bassetthorn – allerdings auf eine extrem subjektive Art. Ausgehend von Beethovens Gassenhauertrio hat sie hier ihren ganz persönlichen Eindruck vertont, den sie beim Hören des berühmten Werkes hatte. Eine subtile, vielschichtige Sache. Bis auf den Beginn, wo Meierhans sehr behutsam und leise das Bassetthorn aus den tiefen Registern emporsteigen lässt und damit quasi den Anfang des Gassenhauertrios zitiert, verläuft sich das Stück in diffuse Klanglandschaften, in denen das brummende Bassetthorn immer wieder mit den tiefen Tönen des Cellos zu einer sonoren, warm-wabernden Klangfläche verschmilzt und am Schluss in einem Klangnebel verebbt.

 

Existentielle Energie

Ein völlig neues Licht auf die klassische Ensemblestruktur hat schliesslich am Samstag das Ensemble Nikel geworfen. Mit der Besetzung E-Gitarre, Saxophon, Schlagzeug und Klavier bringt das junge israelisch-schweizerische Quartett einen elektrisch verstärkten Sound in die zeitgenössische Kammermusik und verleiht ihr damit einen regelrechten Energieschub. Diese Verbindung der Energie einer Rockband mit konzeptuellen „klassischen“ Strukturen nutzte Enno Poppe als Ausgangsidee für sein Werk Fleisch – eine intensive und kraftvolle Komposition, die sich stilistisch irgendwo zwischen abstrakter zeitgenössischer Musik, Free Jazz und John Zorn bewegt.

 

Ebenfalls packend war die vertonte „tiefe Langeweile“ von Yair Klartag, Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Ausgehend von einem Begriff Heideggers, der die „tiefe Langeweile“ als existentiellen Zustand definierte, hat der junge israelische Komponist in Fragments of Profound Boredom eine atmosphärisch dichte Klangfläche konzipiert, der man vom ersten bis zum letzten Ton atemlos gelauscht und sich dabei kein bisschen gelangweilt hat.

 

 

Termine

Konzerte von Ultraschall 2018 zum Nachhören:
7.3.2018, 21:04 Uhr, kulturradio vom rbb: Trio Catch (Konzert vom Freitag 19.01.2018, 19:30 Uhr)
15.3.2018, 00:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur / 4.11.2018, 21:04 Uhr, kulturradio vom rbb: Ensemble Nikel (Konzert vom Samstag 20.01.2018, 15 Uhr)
9.5.2018, 21:04:00 Uhr, kulturradio vom rbb: hand werk (Konzert vom Samstag 20.01.2018, 22 Uhr mit einem Werk von Cathy van Eck)

0:00
0:00