Alpentöne - eine Festivaldokumentation

Festivals

Die Alpen als Thema: Christian Zehnder unternimmt einen musikalischen Rundgang durch eines der interessantesten Festivals der Schweiz.

Johannes Rühl - 2020-09-11
Alpentöne - eine Festivaldokumentation - Christian Zehnder. Alpentöne - eine Festivaldokumentation. Printscreen
Christian Zehnder. Alpentöne - eine Festivaldokumentation. Printscreen

Film: Produktion SRF/Kultur, Sternstunde Musik (Schweiz, 52’, 2017)

 

Folgende Konzerte sind in Ausschnitten zu sehen:
 

Erika Stucky, Andreas Scholl, FM Einheit (CH/D)
La Cetra Barockorchester Basel

PAPITO – Eine Metzgete mit Barockmusikern
Papito ist eine Hommage an ihren Vater. Es ist sehr düster. Sagt die Kritik. Findet sie überhaupt nicht. Sagt Erika Stucky. Es ist ein Stucky-Gesamtkunstwerk. Sie zeigt Filme, Videos, Collagen, reisst Schattenrisse, singt und bewegt sich musikalisch durch die wabernde Geräuschkulisse des Abends. Unterstützt durch das Grammy-nominierte Basler Barockorchester LA CETRA und den Performer FM Einheit (Einstürzende Neubauten) entsteht eine sehr interessante Show, durch die man sich einfach nur treiben lassen kann.
Erika Stucky (Stimme, Akkordeon, Film), Andreas Scholl (Countertenor), FM Einheit (Perkussion, Sounds, Electronics), Knut Jensen (Dirigent, Electronics), La Cetra Barockorchester Basel: Eva Saladin, Sarah Giger (Violine), Francesca Benetti (Theorbe), Bernadette Köbele (Violoncello), Federico Abraham (Kontrabass), Johannes Keller (Cembalo)

 

Herbert Pixner Projekt (A)
Finest handcrafted music  from the Alps
Herbert Pixner, 1975 als Sohn eines Bergbauern in Meran geboren, ist ein Meister der steirischen diatonischen Harmonika. Der Multiinstrumentalist spielt ausserdem Klarinette, Saxofon, Flügelhorn und Trompete. Seit ihrer gemeinsamen Zeit am Innsbrucker Konservatorium bilden Herbert Pixner und der Bassist Werner Unterlercher das souveräne Fundament des Projekts. Herbert Pixners Schwester Heidi steuert an der Harfe rhythmische und romantische Kaskaden bei, ein Schlagzeug gibt es nicht. Manuel Randi an der Gitarre bringt einen Touch von Weltmusik ein und trifft damit den Nerv des Publikums: Jazz-Phrasierungen mischen sich mit französischem Manouche Swing, Flamenco und Rock. 
Herbert Pixner (Diatonische Harmonika, Klarinette, Trompete, Flügelhorn, Saxofon, Perkussion),
Manuel Randi (Gitarren), Heidi Pixner (Tiroler Volksharfe), Werner Unterlercher (Kontrabass) 

 

Outi Pulkkinen, Mariana Sadovska, Nadja Räss (FIN/CH/UKR)
Drei Stimmen, drei Traditionen
Drei faszinierende Stimmen und drei Länder verschmelzen zu einem Ganzen. Dieses Projekt entstand im Rahmen des Klangfestivals Naturstimmen im Toggenburg, das die umtriebige Sängerin Nadja Räss einst geleitet hat. Die hier gewagte musikalische Verständigung sprengt nicht nur Sprachgrenzen. Die Interpretation der Musik aus der Feder des Schweizer Musikers Markus Flückiger ist einzigartig.
Die Traditionen ihrer Herkunftsländer Schweiz, Ukraine und Finnland, der Jodel, die White Voice und der Runengesang bilden die musikalische Basis, um die herum Markus Flückiger seine Melodien gespannt hat. Die Kompositionen bringen drei Gesangstraditionen einander näher und führen sie zu einer differenzierten Einheit zusammen. Dadurch entstehen erstaunliche Klangfarben, traditionell und innovativ bis zeitgenössisch.
Outi Pulkkinen (Gesang, Juohikko), Nadja Räss (Gesang), Mariana Sadovska (Gesang, Harmonium) 

 

Mortazavi Lechner
Anja Lechner & Alireza Mortazavi (D/IRAN) 
Das Spektrum von Anja Lechners musikalischer Arbeit reicht von regelmässigen solistischen Auftritten in internationalen Orchestern bis hin zu übergreifenden Projekten an den Nahtstellen der Kulturen, Genres und Stile. Die über 20 Einspielungen und Beteiligungen für das Label ECM sprechen für sich. Einem breiten Publikum bekannt wurde sie als Gründungsmitglied des Rosamunde Quartetts.
Alireza Mortazavi kommt aus der iranischen Stadt Isfahan, von der ein Sprichwort sagt, es sei die Hälfte der Welt. Die Kulturstadt aus «Tausend und einer Nacht» ist auch heute noch ein ideales Umfeld für das Studium klassischer persischer Musik. Später ist Alireza Mortazavi nach Italien gegangen, um sich mit westlicher Musiktheorie und Komposition zu beschäftigen.
Anja Lechner (Violoncello), Alireza Mortazavi (Santur)

 

Pago Libre und das Alpentöne Blasorchester (CH/RUS/F/D/IRL)
got hard
Für die fünfte Produktion des Festivalorchesters wurde der irisch-schweizerische Komponist und Pianist John Wolf Brennan gebeten, eine einstündige Komposition zu schreiben und mit Orchester und Solisten einzustudieren. Dafür hat er bekannte Namen gewinnen können, die sich in ihrem musikalischen Schaffen schon mehrfach den Alpen gewidmet haben.
Arkady Shilkloper gilt als einer der besten Alphornspieler überhaupt, für Christian Zehnder sind die Alpen seit Jahren Inspiration und Herausforderung. Der wie John Wolf Brennan ebenfalls aus Irland stammende Gitarrist Christy Doran ist ein Urgestein des Schweizer Jazz. Er war schon an vielen Alpinen Programmen von Alpentöne beteiligt.
Pago Libre: Arkady Shilkloper (Alphorn, Horn), Florian Mayer (Geige), John Wolf Brennan (Piano, Melodica), Tom Götze (Kontrabass), Gastsolisten: Christian Zehnder (Stimme), Christy Doran (Gitarre), Patrice Héral (Schlagzeug), Studierende der Irish World Academy of Music and Dance in Limerick, Alpentöne Blasorchester,
Leitung: Philipp Gisler, Michel Truniger

 

Ambäck (CH)
s’mues wie’s isch 
Böse Zungen schimpfen, das Muotathal im Kanton Schwyz sei geografisch wie kulturell eine Sackgasse, bewohnt von starrköpfigen und eigenbrötlerischen Ureinwohnern. Tatsächlich aber gehört das Tal zu einer der interessantesten Musikregionen der Schweiz. 
Wenige wissen, dass dort oben in der Abgeschiedenheit des Bergtals vor über 100 Jahren eine ganz eigene Musik ihre Blütezeit hatte: Sperrig-urchige Tanzmusik mit Geige, Schwyzerörgeli und Kontrabass. Genau in dieser Besetzung spielt auch das mit Markus Flückiger, Andreas Gabriel und Pirmin Huber meisterhaft besetzte Trio. Obwohl die Grundlage ihrer Musik alt ist, klingt sie bei diesen Musikern ganz frisch und heutig. Die dichten Töne sprudeln in Kaskaden über schroffe Berghänge ins Tal, dass es eine wahre Freude ist. Inzwischen hat sich das Trio Ambäck zu einem der besten Ensembles der Neuen Schweizer Volksmusik entwickelt. 
Andreas Gabriel (Geige), Markus Flückiger (Schwyzerörgeli), Pirmin Huber (Bass)

 

Heinz Holliger: Alb-Chehr (CH) 
Helena Winkelman: Ronde des Lutins(CH) 
Ab Mitte der 1970er-Jahre sorgten die Oberwalliser Spillit für Furore: Mit Klarinette, Hackbrett und neu entwickelten Instrumenten wie der Tenundi Titschini (einer gestimmten Holztrommel), mit viel Witz und mitreissender Spielfreude widmeten sich die Spielleute den alten Weisen und Tänzen der Eidgenossenschaft – fern jeder konservativen Schweiztümelei. Und sie zeigten, dass sich Volksmusik und Avantgarde versöhnen lassen, indem sie sich von zeitgenössischen Komponisten neue Werke auf den Leib schreiben liessen. Zum Beispiel von Heinz Holliger. In Alb-Chehr vertonte er eine Walliser Sage um zwei Hirten und einen übellaunigen Senn, die auf musizierende Geister treffen – was für den Senn tödlich endet. Kurz nach der Auflösung der Oberwalliser Spillit im Jahr 2001 gründete der Klarinettist Elmar Schmid das Ensemble sCHpillit, das nun erneut zusammenkommt, um neben Holligers «Klassiker» eine brandneue Partitur der Komponistin und Geigerin Helena Winkelman vorzustellen.
sCHpillit: Rahel Cunz (Violine), Käthy Steuri (Kontrabass), Matthias Würsch (Hackbrett), Christoph Pfändler (Hackbrett), Sabine Gertschen (Klarinette), Domenic Janett (Klarinette), Ernst Rohrer (Akkordeon), Hermann Lehner (Akkordeon)
Geischterchor: Peter Siegwart (Leitung, 1. Bass), Reto Hofstetter (1. Tenor), Daniel Bentz (2. Tenor), Thomas Leu (3. Tenor), Daniel Leo Meier (4. Tenor), Chasper Mani (2. Bass), Jan Siegwart (3. Bass), Tiago Mota (4. Bass), Sprecher: Dani Mangisch 
In Zusammenarbeit mit dem LUCERNE FESTIVAL

 

alpentoene.ch


 

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