Dossier

Schweizer Musikszene: A man’s world

Panorama

Frauen sind in der Schweizer Musikszene stark unterrepräsentiert. Wie sind solche Strukturen gewachsen? Und was braucht's für mehr Gleichgewicht?

Theresa Beyer - 2019-10-21
Schweizer Musikszene: A man’s world - Realität auf Schweizer Bühnen: Auf sechs Männer kommt eine Frau. «Wenn ich als einzige Musikerin an einem Festival auftrete, bin ich stark exponiert und setze mich ziemlich unter Druck», sagt die Musikerin Veronika Klaus. Illustration: joanna.r.s
Realität auf Schweizer Bühnen: Auf sechs Männer kommt eine Frau. «Wenn ich als einzige Musikerin an einem Festival auftrete, bin ich stark exponiert und setze mich ziemlich unter Druck», sagt die Musikerin Veronika Klaus. Illustration: joanna.r.s

In der Schweiz gehen gleich viele Frauen wie Männer regelmässig in Konzerte. An den Musikhochschulen lernen etwa gleich viele Studentinnen wie Studenten. Und wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass musikalisches Talent gleichermassen auf beide Geschlechter verteilt ist.

Umso mehr verwundert dann der Blick auf die professionelle Schweizer Musikszene: auf der Bühne (von Bassist*innen bis Dirigent*innen), hinter der Bühne (von Booker*innen bis Produzent*innen) und in der Reflexion (von Musikwissenschaftler*innen bis Musikjournalist*innen) geben mehrheitlich Männer den Ton an.

Wie sind solche Strukturen gewachsen? Was braucht es, um sie zu verändern? Und wie treten ihnen junge Musikerinnen entgegen? Diesen Fragen geht dieses Dossier nach. Die fünf Beiträge knüpfen an aktuelle Debatten an, stellen Role Models aus der Vergangenheit und Gegenwart vor und wollen quer durch die Musikgenres zum Denken anregen. Und ja, sie sind auch eine Anleitung, sich zu politisieren und zu engagieren. Aber nicht durch Gejammer und Schuldzuweisungen, sondern durch scharfe Beobachtung, konkrete Lösungsansätze und Raum für unterschiedliche subjektive Perspektiven. 

Nicht zuletzt blickt dieses Dossier optimistisch in die Zukunft. Denn wir befinden uns in einem Wandel, dem #MeToo und der Frauenstreik einen neuen Schub verliehen haben. Im Jahr 2019 verankert sich so die Vision der Geschlechtergerechtigkeit mehr und mehr in den Köpfen der Musikschaffenden, der Entscheidungsträger*innen, der Kulturpolitiker*innen und des Publikums und erste Massnahmen (wie die Diversity Roadmap von Helvetiarockt) greifen. Dieses Dossier dokumentiert diesen Wandel und ist gleichzeitig Teil davon. 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Lesen und uns allen eine konstruktive Debatte.

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