Release

Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler

Die «Grammont Sélection 9» erscheint unter neuen Vorzeichen und im neuen Gewand.

Thomas Meyer - 2018-03-13
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler -
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Katharina Rosenberger
Katharina Rosenberger
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Oscar Bianchi
Oscar Bianchi
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Ezko Kikouchi
Ezko Kikouchi
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Antoine Fachard
Antoine Fachard
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Dieter Ammann
Dieter Ammann
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Thomas Kessler © andreleduc.com
Thomas Kessler © andreleduc.com
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Daniel Zea
Daniel Zea
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Kimmig–Studer–Zimmerlin, Screenshot aus Video © Franz Bannwart
Kimmig–Studer–Zimmerlin, Screenshot aus Video © Franz Bannwart
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Carlo Ciceri
Carlo Ciceri
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Michael Pelzel, Foto © Thomas Halter
Michael Pelzel, Foto © Thomas Halter
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Stefan Keller
Stefan Keller
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Edu Haubensak, Foto © Ayse Yavas
Edu Haubensak, Foto © Ayse Yavas
Klangsinnliches aus dem Land der Tüftler - Walter Feldmann
Walter Feldmann

Die Schweiz: künstlerisch ein Land von Eigenbrötlern und Tüftlern, wo sich vieles Robert-Walser-mässig in scheinbar eng abgezirkelten Gefilden bewegt, was auch seinen ganz besonderen Reiz hat, sich zuweilen jedoch nicht so leicht jenseits der Landesgrenzen vermitteln lässt. Vor diesem Hintergrund, den ich schon mehrmals in Aufsätzen dargelegt habe, überrascht und entzückt mich diese neue Auswahl, diese Grammont-«Sélection»: Für diese Werke, die zwischen Juli 2015 und März 2017 uraufgeführt wurden, gibt es kaum einen gemeinsamen Nenner: Sie widersprechen meinem alten Bild gründlich.

Peter Conradin Zumthor - Solo Drums

Nicht vertreten ist zum Beispiel die helvetische Cage-Feldman-Nachfolge, nicht die ältere Konzeptmusik, auch nicht die neuen Konzeptualisten Kreidler’scher Prägung, nicht das Installative, die Performance, die geistliche Musik, die musiktheatralen Entwürfe, auch die Lachenmann-Beeinflussten fehlen, fast völlig auch die grossen internationalen Namen der Schweizer Szene, die Altmeister, die wir ja durchaus verehren… Gewiss hätte man auch eine Auswahl treffen können, in der einige dieser Musiker vertreten sind. Die Grammont-Arbeitsgemeinschaft hat anders entschieden – auf eine sehr anregende Weise.

Daniel Zea - Pocket Enemy

Ist die Auswahl also nicht in umfassender Weise repräsentativ – oder hat sich da etwas gewandelt? Naturgemäss das erste und zum Glück das zweite. Diese Musiken schiessen zu einem neuen Gesamteindruck zusammen. Irgendwie ist da eine Kraft spürbar, nicht immer hoffnungsfroh, aber durchaus obsessiv, eine Frische und Forschheit, die das Gärtchen verlässt, sich aus der Verhaltenheit befreit, die zuweilen sogar überbordet. [...]

 

Zur Grammont-Reihe

Der Grammont liegt in den Savoyer Alpen am östlichen Zipfel des Genfersees, noch auf Schweizer Gebiet, 2172 m.ü.M. Ferdinand Hodler hat ihn gemalt, und an klaren Tagen ist er von Lausanne aus zu sehen, so von der gar nicht avenuemässigen Avenue du Grammont aus, wo die SUISA, die helvetische Urheberrechtsgesellschaft für Musik, ihren westschweizer Sitz hat. In dem Haus an der Nr. 11bis ist auch der traditionsreiche Schweizerische Tonkünstlerverein eingemietet, der Ende 2017 mit zwei weiteren Musikberufsverbänden (Schweizer Musik Syndikat SMS, Jazz und Improvisation; Musikschaffende Schweiz MSS, Pop/Rock) zum grösseren Verband «Sonart» fusionierte.

Namensgeber der CD-Reihe: Der Grammont (von Ferdinand Hodler, 1905, Repro, Quelle: commons.wikimedia.org)

 

Der Blick aus dem Fenster wirkte offenbar inspirierend, als es 1978 darum ging, einen neuen Namen für eine CD-Reihe mit Komponistenporträts zu finden. Diese Grammont-Serie brachte davon bis 2016 über hundert Tonträger heraus. Wer ein ansehnliches und anerkanntes Oeuvre vorzulegen hatte, bekam die Chance für eine CD, einmal im Leben. Hinzu kamen Interpretenporträts – und ab 2008 eine sogenannte «Sélection», eine Auswahl der interessantesten Schweizer Uraufführungen eines Jahrgangs.
Die «Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Schweizerischer Musik» bestand allerdings schon länger. [...]

Ende 2016 kündigte die Migros an, dass das ganze Label Musiques Suisses seine Produktion einstellt, der sinkenden Absatzzahlen wegen. Der Backkatalog ist aber immer noch erhältlich. Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeitsgemeinschaft aufhört. Pro Helvetia, FONDATION SUISA, SRG sowie Sonart bzw. dessen Nachfolger arbeiten weiterhin zusammen. [...] – Thomas Meyer

 

Ein erstes Ergebnis ist die Grammont Sélection 9, die Sie auf swissmusic.ch im Bereich HÖREN finden. Die Playlist sowie die Doppel-CD Grammont Sélection 2018 enthalten Werkausschnitte von Dieter Ammann, Oscar Bianchi, Carlo Ciceri, Antoine Fachard, Walter Feldmann, Edu Haubensak, Stefan Keller, Thomas Kessler, Ezko Kikoutchi, Kimmig–Studer–Zimmerlin, Michael Pelzel, Katharina Rosenberger und Daniel Zea.

Der vollständige Text von Thomas Meyer mit Hintergründen zu den auf der Grammont Sélection 9 vertretenen Werken und KomponistInnen sowie zur Geschichte der Grammont-Reihe ist in der Neuen Zeitschrift für Musik 2018/1 und in der Dissonance / Dissonanz – Schweizer Musikzeitschrift für Forschung und Kreation 2018/1 erschienen. Beide Zeitschriftenausgaben enthalten die Doppel-CD als Beilage. Der vollständige Text von Thomas Meyer ist online abrufbar.

 

Die Grammont Sélection 9 kann zudem unter www.prohelvetia.ch gratis physisch bestellt werden. – Anmerkungen der Redaktion

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